Forschungsarbeit vor dem Peer Review dokumentieren
Wenn du einen Preprint veröffentlichen darfst, tu es: Ein öffentlicher Preprint-Server gibt deiner Arbeit kostenlos einen datierten, zitierbaren Eintrag, den dein Fach kennt. Wenn du die Arbeit noch nicht öffentlich machen kannst oder solltest – wegen einer Journal-Policy, einer noch nicht eingereichten Patentanmeldung, eines Industriepartners, eines Dissertationskapitels oder eines Förderantrags –, exportiere genau die Einreichungsfassung als PDF und versieh sie mit einem qualifizierten Zeitstempel, bevor sie dein Haus verlässt. Damit ist festgehalten, dass diese Fassung zu diesem Zeitpunkt existierte, ohne dass etwas veröffentlicht wird. Wissenschaftliche Priorität, Neuheit oder die Frage, wer was beigetragen hat, klärt der Zeitstempel nicht; das leisten Laborbuch, Versionsverlauf und Korrespondenz.
Allgemeine Information, keine Rechts- oder Patentberatung.
Wann das wichtig wird
Peer Review lebt von Vertraulichkeit. Die COPE-Leitlinien verpflichten Gutachter, das Gelesene weder zum eigenen noch zum fremden Vorteil zu nutzen, und fast alle halten sich daran. Die Fälle, in denen Forschende später einen datierten Nachweis ihres eigenen Textes brauchen, sind meist alltäglicher:
- ein Koautor oder ehemaliges Gruppenmitglied beansprucht später einen Abschnitt, eine Abbildung oder eine Analyse;
- ein abgelehntes Paper, und Monate später erscheint ein auffallend ähnliches – du willst zeigen, was deine Einreichung wann enthielt;
- ein Förderantrag, Dissertationskapitel oder Konferenz-Abstract geht an Personen außerhalb deiner Gruppe;
- Ergebnisse müssen vertraulich bleiben, weil eine Patentanmeldung noch vorbereitet wird.
Wenn deine Forschung patentierbar sein könnte: erst prüfen, dann veröffentlichen
Bei Arbeiten, aus denen ein Patent werden könnte, kann ein Preprint schaden. Nach dem Europäischen Patentübereinkommen gehört alles, was vor dem Anmeldetag der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, zum Stand der Technik, und eine allgemeine Neuheitsschonfrist für eigene Veröffentlichungen gibt es dort nicht. Ein Preprint, ein Konferenzvortrag oder Poster, eine Dissertation in einem offenen Repositorium oder ein öffentlicher Datensatz können alle zählen.
- Sprich zuerst mit deiner Transferstelle, vor jeder Einreichung, jedem Preprint und jedem Vortrag.
- Ein vertraulicher Zeitstempel ist keine Veröffentlichung. Nur der Fingerabdruck der Datei verlässt deinen Rechner, der Inhalt bleibt bei dir.
- Er ist auch kein Prioritätsdatum. Im europäischen System entsteht ein Prioritätsrecht durch die Anmeldung eines Patents oder Gebrauchsmusters, nicht durch einen privaten Nachweis.
Preprint, Zeitstempel oder beides
| Option | Was sie dir gibt | Grenze |
|---|---|---|
| Preprint (arXiv, bioRxiv, SSRN u. Ä.) | Eine öffentliche, datierte Fassung, die Kolleginnen lesen und zitieren können; frühere Versionen bleiben sichtbar | Öffentlich: keine Option vor einer Patentanmeldung oder bei manchen Journal- und Partnerregeln |
| Zenodo oder institutionelles Repositorium | Eine DOI für Paper, Datensatz oder Code; Dateien lassen sich beschränken | Auch ein beschränkter Eintrag liegt bei einer Plattform und ist kein qualifizierter Zeitstempel |
| Einreichungssystem des Journals | Ein Eingangsdatum beim Verlag | Liegt bei einem Dritten; deckt nur ab, was du dort hochgeladen hast |
| Laborbuch, Git-Verlauf, E-Mail | Wie die Arbeit entstand und wer was gemacht hat | Daten auf deinen eigenen Systemen sind leicht anzuzweifeln |
| Qualifizierter Zeitstempel auf dem Einreichungs-PDF | Genau diese Datei existierte zu diesem Zeitpunkt, seitdem unverändert – ohne Veröffentlichung | Sagt für sich allein nichts über Neuheit, Priorität oder Beiträge |
Vor der Einreichung: eine Checkliste
- Fassung einfrieren. Exportiere Manuskript, Abbildungen und Supplement als das PDF, das du hochlädst. Jedes erneute Speichern einer Word- oder LaTeX-Quelle ändert ihren Fingerabdruck; ein PDF, das du nicht bearbeitest, bleibt Byte für Byte gleich.
- Dieses PDF mit Zeitstempel versehen. Der SHA-256-Fingerabdruck wird in deinem Browser berechnet, nur er wird übertragen. Lass bei unveröffentlichter Arbeit die Optionen zum Speichern oder Anzeigen des Originals deaktiviert und das Zertifikat privat.
- Daten und Code in einem Nachweis erfassen. Für einen Ordner mit Datensätzen, Skripten und Notebooks listest du die Fingerabdrücke aller Dateien in einem Manifest und stempelst das Manifest; siehe viele Dateien, ein Zeitstempel. Für ein Repository stempelst du den eingereichten Git-Commit.
- Festhalten, wer was gemacht hat. Eine CRediT-Beitragserklärung oder eine kurze, von allen Koautoren bestätigte Notiz klärt mehr Beitragsstreit als jeder Zeitstempel.
- Einreichungsspur aufbewahren. Bewahre die Eingangsbestätigung des Journals und die exakt hochgeladenen Dateien unverändert neben dem Zertifikat auf.
- Bei jedem Meilenstein wiederholen. Überarbeitete Fassung, Antwort an die Gutachter, angenommene Version. Eine Kette datierter Fassungen ist viel schwerer anzuzweifeln als ein einzelnes Datum.
Welche Dateien und Unterlagen du aufbewahren solltest
- Das eingereichte PDF und jede überarbeitete Fassung, unverändert, mit Zertifikat.
- Rohdaten und Analysecode im Stand der Einreichung, erfasst durch Manifest oder Commit.
- Laborbücher oder ELN-Exporte: Sie zeigen die Arbeit; der Zeitstempel zeigt, wann eine Fassung existierte.
- Korrespondenz mit Koautoren zu Reihenfolge und Beiträgen.
- Bei allem Patentierbaren die Erfindungsmeldung an deine Transferstelle und deren Antwort – bevor irgendetwas öffentlich wird.
Was ein StampR-Zertifikat hinzufügt
Ein StampR-Zertifikat verbindet den SHA-256-Fingerabdruck deiner Datei mit einem qualifizierten elektronischen Zeitstempel von BORICA B-Trust und deiner Erklärung, dass du Urheber bist. Nach Artikel 41 Absatz 2 der eIDAS-Verordnung gilt für einen qualifizierten Zeitstempel die Vermutung der Richtigkeit von Datum und Uhrzeit sowie der Unversehrtheit der verknüpften Daten. Wem du später PDF und Zertifikat zeigst, kann auf der Prüfseite nachsehen, ob der Fingerabdruck passt und wann der Zeitstempel ausgestellt wurde – ohne dass du das Paper je veröffentlicht hast.
Zertifikat für dein Einreichungs-PDF ausstellen – das erste Zertifikat mit Konto kostet 4,90 €.
Was es nicht ersetzt
- Es begründet keine wissenschaftliche Priorität. Priorität erkennt die Fachgemeinschaft über Publikationen, Preprints und den wissenschaftlichen Nachweis an, nicht über private Belege.
- Es erfasst keine Ergebnisse, Ideen oder Methoden. Das Urheberrecht gilt für Text und Abbildungen, die du geschaffen hast; Ideen, Verfahren und Methoden als solche sind international ausgenommen.
- Es ist keine Patentanmeldung. Wenn die Arbeit patentierbar sein könnte, sprich vor jeder Einreichung mit deiner Transferstelle oder einer Patentanwältin.
- Es entscheidet nicht über die Autorenreihenfolge. Das regeln deine Koautoren, die Richtlinien deiner Einrichtung und die Kriterien des Journals.
- Es zeigt nicht, wer die Datei geschrieben hat. Es hält deine Erklärung fest; Entwürfe, Laborbücher und Korrespondenz zeigen die Arbeit.
Weiterlesen
- Was eine Urhebererklärung ist – die Erklärung, die der Zeitstempel datiert.
- Halten Zeitstempel-Zertifikate vor Gericht?
Häufige Fragen
Soll ich einen Preprint veröffentlichen oder mein Paper stempeln?
Wenn du die Arbeit öffentlich machen darfst, ist ein Preprint meist der bessere Nachweis: öffentlich, zitierbar und in deinem Fach anerkannt. Ein vertraulicher Zeitstempel ist für die Zeit davor gedacht und lässt sich mit einem späteren Preprint kombinieren.
Kann ein Gutachter mein Paper stehlen?
Das ist selten, und Gutachter sind zur Vertraulichkeit verpflichtet. Ein datierter Nachweis deiner Einreichung hilft vor allem in den häufigeren Konflikten mit Koautoren, ehemaligen Gruppenmitgliedern oder einem später erscheinenden ähnlichen Paper.
Gilt ein Zeitstempel patentrechtlich als Veröffentlichung?
Ein vertraulicher Zeitstempel überträgt nur den Fingerabdruck der Datei, nicht ihren Inhalt; öffentlich wird dadurch nichts. Ob etwas zum Stand der Technik zählt, ist eine Patentfrage – kläre sie vor der Einreichung mit deiner Transferstelle.
Belegt ein Zeitstempel, dass ich die Idee zuerst hatte?
Nein. Er zeigt, dass eine bestimmte Datei zu einem bestimmten Zeitpunkt existierte. Ideen und Ergebnisse fallen nicht unter das Urheberrecht, und wissenschaftliche Priorität wird über die Publikationsgeschichte beurteilt.
Kann ich einen Datensatz stempeln, der zu groß zum Hochladen ist?
Ja. Übertragen wird nur der Fingerabdruck, die Dateigröße spielt also keine Rolle; bei vielen Dateien stempelst du ein Manifest mit allen Fingerabdrücken.
Quellen
- Verordnung (EU) Nr. 910/2014 (eIDAS), Artikel 41 – Rechtswirkung qualifizierter elektronischer Zeitstempel.
- Europäisches Patentübereinkommen, Artikel 54 – Neuheit und Stand der Technik.
- Europäisches Patentübereinkommen, Artikel 87 – Priorität entsteht durch eine Anmeldung (Englisch).
- COPE, Ethical guidelines for peer reviewers – Vertraulichkeit des Begutachtungsverfahrens (Englisch).
- arXiv, Versions of articles – frühere Versionen bleiben Teil des Nachweises (Englisch).
- TRIPS-Übereinkommen, Artikel 9 Absatz 2 – Schutz für Ausdrucksformen, nicht für Ideen oder Methoden (Englisch).
Quellen geprüft am 4. November 2026.
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